Trassenwanderung in Störnstein

Bericht zur Veranstaltung

Der Anlass für die Trassenwanderung der BI Neustadt/ Weiden für eine dezentrale Energiewende war genauso deprimierend wie aufrüttelnd und Mut machend zum Widerstand. In Störnstein an der Widerstandseiche hatten sich an die 100 Teilnehmer versammelt, um ihren Unmut über die Probebohrungen und die Zerstörung der Felder kurz vor deren Ernte kundzutun. Die Störnsteiner Widerständler hatten eine eindrucksvolle Kabelkanaldarstellung in Originalgröße aufgebaut und die Hintergrundinfos auf Schautafeln dazu geliefert. Der Einladung waren viele Kommunalpolitiker der Umgebung gefolgt. So konnte Versammlungsleiter und BI-Sprecher Josef Langgärtner den Vertreter der Landrätin des Landkreises Regensburg, Tanja Schweiger, den Kreisrat Hans Kraus aus Cham begrüßen. Der Landkreis Neustadt lies sich von der 3. LandrätinMargit Kirzinger vertreten. Die Stadt Weiden entsandte Frau Dr. Tasali-Stoll. Auch die betroffenen Bürgermeister der Region Markus Ludwig aus Störnstein, Robert Lindner aus Floss und Rudolf Schopper aus Püchersreuth nahmen teil. Die weiteste Anreise hatte der 2. Bürgermeister aus Brennberg, Landkreis Regensburg, Franz Löffl. Etliche Stadt-, Kreis- und Gemeinderäte wollten ihren Protest zeigen. Mit einem Zitat von Dr. Eckart von Hirschhausen eröffnete Josef Langgärtner die Redebeiträge: „Die Priorisierung der Wirtschaft geht mir auf den Sack“ und das sei auch die Meinung der Trassengegner. Die heute beobachtbaren katastrophalen Zustände im Überschwemmungsgebiet seien Ausdruck einer jahrzehntelangen Verweigerung wirksamen Klimaschutzes – auch durch die bundesdeutsche Politik. Gerade die Energiepolitik mit hauptverantwortlichem Minister Altmeier lasse jedwede Einsicht vermissen, was für die Energiewende notwendig sei. Es gebe zwei Studien von Prof. Jarass, die belegen, dass der Südostlink nicht benötigt würde. Ferner ergebe die Studie, dass schwere Fehler im Netzentwicklungsplan begangen würden, weil es keine Kosten/ Nutzenanalyse gibt. Weitere zwei ganz neue Studien von der TU München und der TU Berlin würden bestätigen, dass eine Versorgung Bayerns und Deutschlands mit 100% erneuerbarer Energie möglich sei. Aber lobbygestützte Entscheidungen der Bundespolitiker würden eine Neuberechnung des Stromnetzes unter diesen Bedingungen verhindern. Als ganz besonders schäbig wurde die Einführung des Planungssicherungsgesetzes empfunden, das der Bundesnetzagentur und TenneT erlaubt, auch ohne eine reguläre öffentliche Beteiligung die Planungen weiter voranzutreiben. Menschen mit schlechtem Internetzugang oder ältere, nicht PC-affine Menschen wären somit ausgeschlossen, da die Beteiligung ausschließlich online erfolgt. Dann ging Langgärtner auf die möglichen und voraussehbaren Verwüstungen der Landschaft durch den Bau der Gleichstromtrasse ein. Es würden LKWs mit einem Gewicht von 150 Tonnen über Landstraßen und Feldwege geleitet. Durch die Abgrabungen auf einer Breite bis zu 50 m würde man die Landschaft nicht wieder erkennen. Die neu beschlossene Paralleltrasse 5a sei ein weiterer Punkt der fortwährenden Zerstörung unserer Heimat. Denn diese Trasse solle nur mit Leerrohren gebaut werden und erst in 5-6 Jahren die Kabel nachgerüstet werden. Das bedeute, dass dieselben LKWs wieder auf die Felder und Wiesen fahren müssten und die Verwüstung von vorne beginne. Mit der Hoffnung, dass die Informationen an die verursachenden Adressaten, die Bundestagsabgeordneten, weitergeleitet würden und der Feststellung, Krieg gegen die Natur zu führen, sei selbstmörderisch, die ersten Ergebnisse würde man derzeit schon sehen, endete die Rede Langgärtners. Die folgenden Redner lehnten einhellig den Bau des Südostlinks ab und kritisierten TenneT und die Bohrfirmen. Hubert Meiler, selbst betroffener Landwirt, erklärte den Widerspruch des Inhalts der Hochglanzbroschüren TenneTs zur Realität bei den Probebohrungen. Die Sub-Sub-Sub-Bohrunternehmer hätten von den Abmachungen keine Ahnung, würden in wassergesättigte, erntereife Felder ohne Abstimmung mit den Bewirtschaftern einfahren und große Flurschäden anrichten. Bester Beweis sei ein Bohrloch direkt neben der Widerstandseiche. Das Bohrloch sei zwar vorschriftsmäßig mit Bentonit verschlossen worden, aber in einem Bereich von 10 m2 um das Bohrloch sei das Gras abgestorben und die Erde wahrscheinlich verseucht. Weitere betroffene Landwirte bestätigten dieses unmögliche Vorgehen der Bohrfirmen. Der anschließenden Trassenwanderung nach Diepoldsreuth unter Führung von Hubert Meiler folgten gut 60 Teilnehmer. Immer wieder wurde auf markante Landschaftspunkte hingewiesen, die vom Südostlink tangiert würden, wie zum Beispiel das wunderschöne Giernitz-Tal. Der Landtagsabgeordnete Tobias Gotthart empfing die Wanderer in der Gaststätte Plödt. Hier endete die Trassenwanderung bei Kaffee und Kuchen und mit vielen Informationen und Diskussionen.

Eröffnungsrede des BI-Sprechers Josef Langgärtner

Liebe Demoteilnehmer,

ich darf Sie alle an unserer Widerstandseiche, die in ihrem kurzen Leben schon einige Trassenstürme erlebt hat, recht herzlich begrüßen.

„Die Priorisierung der Wirtschaft geht mir auf den Sack“, stellt der Autor und Moderator Eckart von Hirschhausen fest und wir denken genauso. Die heute beobachtbaren katastrophalen Zustände im Überschwemmungsgebiet sind Ausdruck einer jahrzehntelangen Verweigerung wirksamen Klimaschutzes – auch durch die bundesdeutsche Politik. Gerade unsere Energiepolitik zeigt das ganze Dilemma. Unabhängige, nicht durch Lobby gesteuerte Experten erklären seit Jahren, wie eine Energiewende mit erneuerbaren Energien funktioniert: Dezentral heißt hier das Zauberwort. Als unser Wirtschaftsminister Altmeier wieder mal zugestehen musste, dass sein zukünftiger Energiebedarf noch oben korrigiert werden muss, folgt die für ihn logische Konsequenz, dass wir noch zusätzlich zwei neue Höchstspannungstrassen brauchen. Entweder weiß er es nicht besser, oder es läuft vielleicht ein Deal mit den Trassenbauern. Eine Stromtrasse hat zumindest bis jetzt noch keine einzige kWh Strom erzeugt. Genügend Strom aus erneuerbarer Energie für Südostlink, Südlink und wie die Trassen alle heißen gibt es schlichtweg nicht, nachzulesen im Netzentwicklungsplan Strom. Was man allerdings auch nachlesen kann, ist der Handel von Importstrom aus Atom- und Kohlekraftwerken aus dem benachbarten Ausland. Das ist auch der Grund, warum Wind- und Sonnenenergie trotz dringenden Bedarfs durch das Wirtschaftsministerium ausgebremst wird. Diese Erzeugung wäre dezentral und Höchstspannungstrassen wären damit überflüssig.  Anscheinend müssen wir unseren Politikern, also denen, die solchen Schwachsinn beschließen, die Gutachten, die genau erläutern, wie eine Energiewende funktioniert, um die Ohren hauen, denn gelesen habe sie sie mit Sicherheit nicht. Es gibt alleine schon 2 Gutachten von Prof. Jarass, der genau aufzeigt, warum eine solche Netzplanung beschlossen wird: Die Kosten interessieren kein Schwein, daher gibt es auch keine Kosten/ Nutzenanalyse, was wiederum der europäischen Verordnung für HGÜ-Planungen widerspricht. Egal. Die TU München hat letzten Monat eine Studie veröffentlicht mit dem Titel: 100% erneuerbare Energie für Bayern. Eine groß angelegte Studie über 2 Jahre erstellte die TU Berlin in Zusammenarbeit mit dem deutschen Institut für Wirtschaftsforschung mit der uns bestens bekannten Professorin Claudia Kemfert. Beide Berechnungen kommen zu dem Ergebnis, dass eine dezentrale Energiewende ohne große HGÜs möglich ist. Voraussetzung ist immer ein starker Ausbau von Wind- und Sonnenenergie. Dieser Ausbau passiert nur tröpfchenweise und wird eher gebremst als gefördert. Damit aber die Planungen für den Südostlink nicht gebremst werden, zumindest nicht durch Corona, kam unsere Große Koalition zusammen mit der FDP auf die glorreiche Idee, ein Gesetz zu verabschieden, das es der BNetzA und TenneT erlaubt, quasi im Hintergrund ohne Beteiligung der Öffentlichkeit weiter zu planen, das sog. Planungssicherstellungsgesetz. Die Beteiligung der Öffentlichkeit nur online über das Internet durchzuführen, kommt einem Ausschluss vieler Betroffener gleich. Erstens gibt es viele schwache Netzzugänge, bei denen man keine größeren Datenmengen (also Pläne z.B.) runterladen kann, und zweitens gibt es sehr viele ältere Leute, die mit einem Computer nichts anfangen können. Schaut so eine öffentliche Beteiligung aus? Es ist ein Armutszeugnis für diese Politik, die solche offensichtlichen Mängel nicht erkennen will. Macht nichts, mit einer schönen Sonntagsrede wird der Segen wieder hergestellt, ein Baum umarmt, der grantige Wähler wieder eingefangen und alles ist gut.

Nichts ist gut. Mir geht die Hutschnur hoch, wenn ich sehe, welche Schäden alleine durch die Bohruntersuchungen angerichtet werden. Was glaubt ihr denn, was abgeht, wenn 150 -Tonner LKWs über unsere Landstraßen und Feldwege fahren und Bagger einen 40-50 m breiten Streifen durchs Land pflügen. Ihr werdet die Landschaft nicht wieder erkennen. Die Waldfläche, die für den Südostlink gerodet werden muss, ist so groß, dass man dort rein rechnerisch 1500 Windräder bauen könnte.

Dieses Jahr kam dann noch die Parallel-Trasse 5a dazu. D.h. neben dem einen Graben mit 2 Leitungen kommt ein zweiter Graben mit 2 Leerrohren. Für dieses Vorhaben muss TenneT kein zweites vollständiges Verfahren mit Bundesfachplanung usw. durchführen, sondern kann direkt mit dem Planfeststellungsverfahren beginnen und hat auch schon begonnen. Öffentlichkeitsbeteiligung natürlich online, ein Aufruf in einer Tageszeitung zur Information genügt. Der Clou bei der Trasse 5a ist, dass nur die Leerrohre verlegt werden und die Kabel in 5-6 Jahren erst eingezogen werden. Was bedeutet das? Es werden wieder alle 1000 m Löcher auf gebuddelt, 150 Tonner LKWs kommen wieder und zerstören unsere Straßen, die Pflanzen auf der Trasse werden vernichtet, weil die Kabel 1000 m entrollt werden müssen, bevor sie eingezogen werden. Wo sind unsere Bundestagsabgeordneten, die uns erklären, warum sie das beschlossen haben? Ich sehe keine, die haben alle am Sonntagnachmittag wichtige andere Termine. Klar. Ich hoffe, dass die Informationen hier und die der anderen Redner an die richtigen Adressaten, sprich verantwortliche Politiker, weitergeleitet werden. Was hier mit der Natur und unserer Heimat passiert, ist höchst verwerflich und kann durch nichts gerechtfertigt werden. Die Menschheit führt Krieg gegen die Natur. Das ist selbstmörderisch. Die Natur schlägt immer zurück – und das tut sie bereits mit wachsender Kraft und Wut.

Danke für die Aufmerksamkeit

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