Warum wir eine Bürgerinitiative gründen

Um was geht es

Die Gleichstromtrasse Süd-Ost (jetzt Korridor D) ist angeblich für die Energiewende notwendig, um Windstrom aus dem Norden nach Süden zu transportieren und damit den Wegfall der bayerischen Atomkraftwerke zu kompensieren. Das klingt zwar auf den ersten Blick plausibel, entspricht aber bei genauerem Hinsehen so gar nicht den Tatsachen. Die Notwendigkeit der Trasse für die Versorgung Süddeutschlands wird daher von den Gegnern der Trasse – darunter auch eine Reihe angesehener Fachleute und inzwischen auch zahlreiche hochrangige Politiker – grundsätzlich in Frage gestellt. Ebenso wurde Nichtnotwendigkeit zur Versorgungssicherheit in Bayern beim Energiedialog bestätigt.

 

Nach Ansicht von Fachleuten ist die geplante Trasse Süd-Ost einerseits zur Stromversorgung Süddeutschlands vollkommen unnötig und dient andererseits keineswegs dem Transport erneuerbarer Energien, denn sie würde nicht einmal in die Nähe der großen Windparks vor der Nordseeküste führen, sondern soll bei Wolmirstedt in Sachsen-Anhalt in direkter Umgebung des Zentrums der deutschen Braunkohlestromerzeugung beginnen:

www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/376/bilder/dateien/kraftwerke_und_verbundnetze_in_deutschland.pdf

Die Trasse würde daher zunächst große Mengen von Braunkohlestrom und nach Anschluss an das europäische Höchstspannungsnetz zusätzlich auch Atomstrom aus Osteuropa transportieren. So haben wir uns sicher alle den Ausstieg aus der Atomenergie nicht vorgestellt und mit einer nachhaltigen Energiewende hat das leider rein gar nichts zu tun.

Warum will der Netzbetreiber Tennet die Trasse trotzdem unbedingt bauen? Tennet ist ein privatwirtschaftliches und gewinnorientiertes Unternehmen in der Hand von Finanzinvestoren. Da den Netzbetreibern vom Gesetzgeber eine Rendite von etwa 9,05 Prozent fest zugesagt wurde, soll die Trasse nun um jeden Preis und ohne Rücksicht auf die Anwohner durchgesetzt werden. Durch eine Festigung der zentralistischen Strukturen wird die monopolartige Position von Stromerzeugern und Netzbetreibern auf Jahrzehnte gefestigt.

Der Korridor D würde nach den Plänen des Netzbetreibers Tennet auf etwa 600km Länge als Höchstspannungsfreileitung mit mehr als tausend Strommasten bislang ungekannten Ausmaßes sowie breiten Schneisen die Landschaft durchschneiden und zerstören. Die ohnehin strukturschwachen ländlichen Räume würden zusätzlich an Attraktivität verlieren und Bevölkerung sowie Betriebe würden abwandern. Kommunen würden eingeschnürt und massiv in ihren Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt. Durch die Erarbeitung der Vorschläge der möglichen Trassenkorridore durch den Netzbetreiber würde man die Entwicklungsplanung ganzer Regionen einem profitorientierten Privatunternehmen ohne jede Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort überlassen.

Die Anwohner befürchten aber nicht nur die Zerstörung Ihrer Heimat, sondern auch Gefahren für die Gesundheit. Bei der Höchstspannungsgleichstromübertragung handelt es sich um eine bislang kaum erforschte Technik, die in ähnlicher Größenordnung von Stromspannung und Übertragungsleistung weltweit in dicht besiedelten Gebieten noch nicht eingesetzt wird. Höchstspannungsleitungen werden jedoch in einer Reihe von Studien mit erhöhten Leukämieraten bei Kindern und auch Lungenkrebs durch aufgeladene Partikel in der Luft in Verbindung gebracht.Im Gegensatz dazu existieren keinerlei Studien, die die Unbedenklichkeit solcher Trassen belegen würden. Die Strahlenschutzkommission der Bundesregierung stellt dazu unmissverständlich fest, dass die Raumladungswolken bei der Gleichstromtechnik größer als bei herkömmlichen Wechselstromleitungen sind und über weite Strecken mit dem Wind verfrachtet werden können:

„Darüber hinaus ist in Zukunft für die Übertragung elektrischer Energie über lange Strecken wegen der deutlich niedrigeren Übertragungsverluste auch in Europa die Errichtung von Gleichspannungs-Freileitungen zu erwarten. Da in diesem Fall im Gegensatz zu Wechselspannungs-Freileitungen an den Leiterseilen die Polarität gleich bleibt, bilden sich um die Leiterseile Wolken elektrischer Raumladungen aus. Diese haben einerseits zur Folge, dass die elektrischen Feldstärken (je nach Polarität) bis zu doppelt so groß sein können und dass die Raumladungen mit dem Wind verfrachtet werden und sich die elektrischen Gleichfelder über größere seitliche Bereiche ausdehnen können als bei Wechselspannungs-Freileitungen. Erhöhungen im Vergleich zu Wechselspannungs-Freileitungen ergeben sich sowohl bezüglich der elektrischen als auch der magnetischen Emissionen auch wegen der schlechteren Kompensationswirkung der Zwei-Phasen-Systeme im Vergleich zu den Wechselstrom-Drei-Phasen-Systemen.“ (Strahlenschutzkommission 2008, Hervorhebung eingefügt)

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Korridor D unnötig ist und vorwiegend dem Profit der Netzbetreiber sowie dem europäischen Stromhandel dient. Der Bau der Trasse würde die Landschaft auf 600km zerstören, brächte nicht abschätzbare gesundheitliche Gefahren mit sich und wäre in keiner Weise Bestandteil einer nachhaltigen Energiewende, die eine dezentral angelegte Erzeugung und Speicherung von Strom aus einem Mix von vorwiegend erneuerbaren Quellen zum Ziel haben muss.

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